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Do, 13:00 Uhr
12.04.2018
Kriminalstatistik 2017 vorgestellt

Zwei Drittel der Straftaten wurden aufgeklärt

Mord, Totschlag, Brandstiftungen und Eigentumsdelikte, dies sind nur ein paar der insgesamt 21.649 Straftaten, die die Ermittler der Landespolizeiinspektion auch 2017 in Nordthüringen beschäftigt haben. Heute wurden die Zahlen vorgestellt...

Von links: Pressesprecherin Fränze Töpfer, LPI-Chef Detlev Schum und Detlef Grabs, Kripoleiter (Foto: nnz)
Durch die akribische Arbeit der Nordthüringer Beamten konnten zahlreiche Täter überführt und auch in einigen Fällen in eine Justizvollzugsanstalt überstellt werden. Die Aufklärungsquote lag mit 64,3 Prozent nur leicht unter dem Vorjahreswert mit 64,5 Prozent.

So erließ ein Richter Haftbefehl gegen einen 51-jährigen Mann, der im April 2017 in Ilfeld seine Lebensgefährtin getötet hatte. Ein 37-jähriger Mann kam ins Gefängnis, nachdem er im Mai 2017 in Nordhausen seine Mutter umgebracht hat. Im August 2017 fanden die Ermittler die Leiche einer 22-jährigen Studentin in einer Wohnung in Nordhausen. Ein 26-jähriger Mann wurde festgenommen und ein Haftbefehl erlassen, Anklage wurde am Landgericht erhoben.

Zahlreiche Brände gehen zu Lasten eines 41-jährigen Mannes aus Mühlhausen. Ihm kamen die Ermittler nach monatelangen Ermittlungen auf die Spur. Der Mann befindet sich mittlerweile im Maßregelvollzug. Gesicherte Spuren führten zur Ermittlung eines 23-jährigen Tatverdächtigen, der im Februar 2017 in Obergebra einen Zigarettenautomaten mit brachialer Gewalt gestohlen hatte.

Auch waren im Berichtsjahr 2017 die „Drogenfahnder“ aktiv. So ermittelten die Spezialisten im Mai 2017 einen 53-jährigen Mann und seine Ehefrau, die ihre Kunden regelmäßig mit Marihuana beliefert haben sollen. In ihrem Wohnhaus im Landkreis Nordhausen fand man professionell angelegte Plantagen. Gegen den 30- jährigen „Kunden“ des Pärchens erließ ein Richter Haftbefehl.

Einen traurigen Höhepunkt in ihrer Ermittlungsarbeit erlebten die Kriminalisten im Dezember 2017. In Dingelstädt starben zwei Bewohner eines Hauses nach einem Brand. Der 30-jährige Enkel sowie dessen Vater (Schwiegersohn der Verstorbenen) gerieten in das Visier der Ermittler. Im Zuge der weiter geführten intensiven Ermittlungen, hat sich der dringende Tatverdacht gegen beide Personen nicht bestätigt. Der gegen den Enkel der Verstorbenen erlassene Untersuchungshaftbefehl wurde inzwischen aufgehoben. Die Ermittlungen dauern an.

Grafik (Foto: LPI Nordhausen)
Das waren Schilderungen aus der nahezu tagtäglichen Arbeit der Beamten in den verschiedenen Nordthüringer Dienststellen. Sie konnten 8.872 Tatverdächtige ermitteln, 1.172 davon waren Nichtdeutsche (Als nichtdeutsche Tatverdächtige werden alle Tatverdächtigen erfasst, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Spätaussiedler werden statistisch als Deutsche erfasst.). Bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen waren 607 Flüchtlinge mit einem unterschiedlichen Status erfasst worden. Deren Ranking wird angeführt von Syrern, Afghanen und Irakern. Algerien, Libyen oder Tunesien spielen in Nordthüringen eine untergeordnete Rolle.


Die Verteilung nach Geschlechtern aller Tatverdächtigen hat sich über die Jahre hinweg kaum geändert, drei Viertel sind Männer. Bei den Nichtdeutschen sind es 85 Prozent.

Bei fast allen Schwerpunktdelikten ist ein Anstieg der Kriminalität zu verzeichnen. Insbesondere bei den Diebstahlsdelikten gesamt (+237 Delikte = 3,6 %) und den Sachbeschädigungen (+195 Delikte = 8,1 %) sind erheblich mehr Straftaten begangen und bearbeitet worden. Bei den Sachbeschädigungen bildeten u. a. Straftaten durch Graffiti einen Schwerpunkt. Die Anzahl stieg von 177 Delikten im Jahr 2016 auf 273 Delikte im Berichtsjahr 2017, was eine Steigerung um 54,2 % bedeutet. Dies ist auch deutlich auf das Anzeigeverhalten der Betroffenen zurück zu führen. Weiterhin ist ein Anstieg der Rauschgiftdelikte (+22 = +1,2%) zu verzeichnen. Besonders negativ zu bewerten ist der erhebliche Anstieg der Mord- und Totschlagsdelikte im Berichtsjahr 2017 (18 Delikte = + 11 Delikte). Zurückgegangen sind die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Hier wurden 180 Taten angezeigt, das waren 56 weniger als im Jahr zuvor.

Bei den 6.757 Diebstahlsdelikten ist ein erheblicher Anstieg bei Diebstählen von Motorrädern und Mopeds zu verzeichnen, wogegen der Diebstahl von Fahrrädern um 15,6 Prozent zurückgegangen ist. Sorgen bereitet der Polizei der Anstieg bei Wohnungseinbrüchen. Der beträgt 13,9 Prozent auf 458 Delikte. Sorgen, weil gerade im vergangenen Jahr sehr viel an Präventionsarbeit seitens der Polizei geleistet wurde.

Bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten ist ein Rückgang um 265 Straftaten auf 3.242 Straftaten zu verzeichnen. Die Aufklärungsquote bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten ist mit 67,6 % leicht gesunken und im deliktischen Vergleich mit anderen Straftatenkategorien überdurchschnittlich hoch. Im Gegensatz zu vielen anderen Straftaten ist der Anteil der tatverdächtigen Frauen mit 35,1 %, nach dem Diebstahl ebenfalls sehr hoch.

Insgesamt wurden im Schutzbereich der Landespolizeiinspektion Nordhausen 22 Rauschgiftdelikte mehr als im Jahr 2016 registriert (+1,2 %). Die Gesamtzahl der registrierten Straftaten in diesem Deliktbereich war noch nie so hoch wie im letzten Jahr. Die Aufklärung lag bei 97,5 % und ist nach wie vor auf einem hohen Niveau. Als Tatverdächtige wurden 1.424 Personen (1.335 - 2016) ermittelt. Beim Betrachten der Aufteilung nach dem Geschlecht der Tatverdächtigen fällt auf, dass die Gruppe der Frauen mit 265 Fällen (Anteil 18,6%) nur einen geringen Teil gegenüber der Gruppe der Männer mit 1.159 Fällen ausmacht. Beteiligt sind alle Altersgruppen. Bei Kindern bis 14 Jahre wurden insgesamt sieben Tatverdächtige erfasst. In den Altersgruppen 14 Jahre bis 18 Jahre wurden insgesamt 147 Tatverdächtige ermittelt. Bei den heranwachsenden Jugendlichen im Alter von 18 Jahre bis 21 Jahre wurden 241 Tatverdächtige registriert.

Ein Blick in die Landkreise: Die exakten Zahlen finden Sie hier:Der Chef der Landespolizeiinspektion, Detlev Schum, konstatiert mit dem Blick in die Zukunft, dass sich die Kriminalität auf dem aktuellen Niveau stabilisieren werde. „Ich würde gern mehr Prävention betreiben, allerdings müsste die Politik auch für mehr Personal sorgen“, so Schum abschließend.
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Kommentare

12.04.2018, 13.15 Uhr
muraschke | 33 Fahrräder bleiben geklaut ...
... von 100 gestohlenen. Damit sollte auch der LetzTinnen verstehen, dass das keine Statistik zum Schulterklopfen ist.
Und wenn wir nun noch dazustatistiken, was alles so nicht erfasst wird, wird der Balken noch kürzer.

Nun sollte man das nicht der Polizei in die Schuhe schieben. Verantwortlich ist die Gesellschaft mit ihrer Vermüllung und Verrohung, sowie die Politik mit ihren Einsparpotenzialismus an Polizei & Sichtbarkeit.

Uns wird ja immer erzählt, wir soll(t)en uns ein neues Schloss und Riegel kaufen. Doch eigentlich müßten jene hinter Schloss und Riegel, die diese Entwicklung zu verantworten haben.
12.04.2018, 15.57 Uhr
tannhäuser | Ja, Statistik und Einzelfälle...
Ein sanftes Ruhekissen für diejenigen, die nicht betroffen sind.

Damit meine ich auch nicht die Polizisten auf der Strasse, sondern die Schreibtischbeamten mit ihren warmen Worten und Faible für schön beruhigende Zahlenspielereien.
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