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Fr, 21:15 Uhr
06.04.2018
Jahrensempfang der Thüringer MIT

Es war alles ein wenig anders...

Großer Bahnhof heute Abend in der Schlachthofstraße der Landeshauptstadt. Im Opel-Haus der Peter-Gruppe feiert die Thüringer Mittelstandsvereinigung der CDU (MIT) ihren Jahresempfang. Eigentlich ein ganz normaler Vorgang mit Tradition, doch ein Gast wirbelte so ziemlich alles durcheinander. Der chinesische Botschafter in Deutschland…

MIT-Jahrestreffen in Erfurt (Foto: nnz) Gastgeber Helmut Peter bei seiner Begrüßung

Schon im Vorfeld verursachte der Gast einigen politischen Wirbel, denn plötzlich wurde aus der MIT-Tradition ein Thüringischer Polit-Staatsakt und vermutlich war es denn auch eine Premiere, dass ein LINKE(r) Ministerpräsident Gast eines Empfangs einer CDU-Organisation wurde.

Shi Mingde kennt sich über viele Jahrzehnte in beiden Systemen Deutschlands aus, er studierte in den 1970er Jahren in der damaligen DDR, wechselte anschließend in den diplomatischen Dienst und ist seit August 2012 Botschafter seines Landes in der BRD. Gegen Mittag wurde der Diplomat, der mit dem ICE nach Erfurt kam, am Hauptbahnhof begrüßt. Danach schlossen sich Besuche des Chinesischen Gartens und eines Unternehmens in Weißensee an. Auch der Besuch einer Druckerei stand auf dem Programm, dem folgte der offizielle Empfang in der Thüringer Staatskanzlei durch Ministerpräsident Bodo Ramelow.

Am Abend dann der offizielle Empfang der MIT, der auch zu Wahlkampfzwecken genutzt werden sollte, denn in neun Tagen will unter anderem Marion Walsmann in der Landeshauptstadt den Amtsinhaber Andreas Bausewein vom Obermeisterstuhl kippen. Doch da war ja auch noch Bodo Ramelow. Aber der Reihe nach:

Gruppen-Geschäftsführer Helmut Peter begrüßte die Gäste, stellte kurz sein Unternehmen vor und hob vor allem einen Unterschied zwischen Politik und Wirtschaft hervor. Die Politik mache alle paar Jahre Wahlkampf, „wir Unternehmer jeden Tag“. Dann gab er zum Grußwort an Ministerpräsident Bodo Ramelow weiter. Dem sei es eine Freude und eine Ehre, bei der Mittelstandsvereinigung der CDU sprechen zu dürfen. Da gab es das erste Raunen in den mittleren Reihen der Gäste. „Ihre Firmen seien das Rückgrat der Thüringer Wirtschaft“, sagte Ramelow zu den Unternehmern. Er und alle Politiker seien dabei nur Beiwerk. Auch sei er froh, das gerade in einer Zeit wie dieser der chinesische Botschafter zu Gast sei. Es sei aktuell wichtig, nicht mit kriegerischen Tönen aufeinander zuzugehen, sondern im Sinne aller Menschen, für die man Verantwortung übernommen habe. Ramelow zeigte sich an diesem Abend wieder als der vereinende MP, der in seiner Funktion keinerlei Berührungsängste mit anderen Parteien stehe, die sich im politischen Ring oft gegenüberstehen.

Nach Ramelow stand Gerd Albrecht, der MIT-Landesvorsitzende, am Rednerpult. Sieben Minuten lang begrüßte der Mann die etwas herausgehobenen Personen des Abends und erläuterte sodann die Gründe der Existenz der MIT. Er berichtete von staatlichen Eingriffen, von zuviel Bürokratie, von nur sieben Prozent der Studierenden, die sich selbständig machen würden und von Gesetzen, die eigentlich eine Strafe darstellen würden. Albrecht betonte auch, dass die MIT in einem Jahr alles erreichen werde, dass die Regierung des Freistaates wieder CDU-geführt werde.

Ein bisschen drögen Wahlkampf (20 Minuten mindestens) gab dann noch von der Erfurter CDU-Chefin Marion Walsmann, wobei jene Zuhörer selig waren, die sich mittels eines Smartphones ablenken konnten.

Dann war der Botschafter der Volksrepublik China mit seiner Rede an der Reihe. Der nutzte einen kurzen multimedialen Abriss und gleichzeitigen Ausblick über die legendäre Seidenstraße zum Einstieg in seine Ausführungen.

Botschafter Shi Mingde bei seiner Rede (Foto: nnz) Shi Mingde

Planungssicherheit im politischen Umfeld – parteiübergreifender Konsens in Thüringen. Investoren sind willkommen, was keine Selbstverständlichkeit ist, so sein Credo zum Opening. Aber, so fragte Shi Mingde, warum gebe es in Deutschland diese Angst vor chinesischen Investitionen? In China seien von deutschen Unternehmen rund 80 Milliarden Euro investiert worden, die chinesische Investitionssumme in Deutschland rangiere mit acht Milliarden bei einem Zehntel.

Vor 40 Jahren sei China kaum in internationalen Medien aufgetaucht, so wird heute nahezu täglich berichtet. 15 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts werden in China erarbeitet und jeder fünfte Erdenbürger ist ein Chinese. Der Botschafter sprach auch die Probleme in seinem Land an. Es gebe einerseits mehr Wohlstand, andererseits aber auch ein zunehmendes soziale Gefälle. China wolle und könne keine Führungsrolle in der Welt übernehmen. Noch nicht, denn die nächsten Aufgaben seien Hausaufgaben im eigenen Land, „wir sind immer noch mit uns selbst beschäftigt.“

Seine Ausführungen, auch zum Handelskonflikt – nicht zum Handelskrieg, waren der Höhepunkt dieses Abends, was auch an der Intensität des Beifalls zu bemerken war. Davor in der Stille der Aufmerksamkeit beim Zuhören.
Peter-Stefan Greiner
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